Wie alles begann

Manchmal kommt man zu einem neuen Lkw wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich wollte ich ja „nur“ unseren maroden Zwischenrahmen erneuern. Er hat auf der letzten Tour durch Marokko 2017 so sehr gelitten, dass wir den Heimweg ohne größere Offroad-Eskapaden antreten mussten. Zwei 30 cm lange Risse in unserem massiven Zentralrohr-Rahmen zeigen, welch rohe Kräfte in einem Expedtionsmobil walten, wenn es artgerecht gehalten wird.

Dass mir die Aktion nur ein weinendes Auge bereitet liegt daran, dass der Zentralrohr-Zwischenrahmen viel zu schwer für unser angestrebtes Gewicht von 7,5 Tonnen ist und zu einem nicht unmaßgeblichen Teil die Speckröllchen unseres Sternchens mitverursacht. So sollte ein leichterer Rahmen auch dazu beitragen, uns der 7,5-Tonnen-Grenze (von oben kommend) wieder anzunähern. 

Der Plan war also, den Zwischenrahmen bei 4wheel24 zu tauschen und dann wieder vom Hof zu reiten. Doch es sollte anders kommen. Vor geraumer Zeit sagte ich Tobias Teichmann, Chef von 4wheel24, der auch den Einkaufspool für unsere Leser organisiert, dass wir irgendwann einmal gerne auf ein 917er Fahrgestell von der Feuerwehr wechseln würden. Denn Feuerwehr-Fahrgestelle sind leichter als militärische Fahrgestelle und so wollten wir einen weiteren Schritt in Richtung Gewichtsreduktion gehen. Nichts ahnend parkte ich unser Sternchen neben einer 917er Feuerwehr mit Mannschaftskabine, von der ich wenige Minuten später erfuhr, dass sie unser neues Fahrgestell werden könnte.

Die Eckdaten klingen verlockend: Baujahr 1990, also zwei Jahre jünger als unser 914er Fahrgestell, gerade mal 26.000 km auf der Uhr, Parabelfedern, Fahrerhaus mit hydraulischer Kippung und – gaaaanz wichtig – ein OM 366 A-Motor, also mit Turbo-Zwangsbeatmung und damit von Haus aus schon mit mehr Dampf gesegnet, als unser 914er Saugdiesel. Hinzu kommt, dass durch den Turbo auch das Potenzial für eine Leistungssteigerung verbessert wird und dass auf Reisen in großen Höhen, die bei uns auf dem Plan stehen, der Turbomotor nicht so viel Leistung verliert wie ein Saugmotor. Das Schönste von allem ist aber die Tatsache, dass der Truck aussieht, als sei er direkt aus dem Laden. Der ungewöhnliche Radstand von 3,33 m resultiert aus der Tatsache, dass die Hinterachse im Rahmen um ein Lochbild nach vorne versetzt ist. Wir hätten also auch die Möglichkeit, durch das Versetzen der Hinterachse im Rahmen den Radstand auf 3,65 m zu verlängern - was wir jedoch nicht beabsichtigen.

Nun hatten wir zwar andere Pläne als ein neues Lkw-Fahrgestell aufzubauen. Aber Pläne sind ja bekanntlich auch dazu da, dass man sie über den Haufen wirft oder verschiebt. So dauerte es nicht wirklich lange, bis Edith und ich uns angrinsten und im stillen Einvernehmen die Entscheidung trafen, Tobias´ Angebot anzunehmen. Denn der Preis des guten Stücks war mehr als fair. Das liegt auch an der Tatsache, dass es sich um einen Mannschaftskabiner handelt, der nicht einfach im Handumdrehen zu einem Expeditionsmobli umgebaut werden kann. Die Kabine muss abgeschnitten und die Rückwand an das gekürzte Fahrerhaus angesetzt werden. Das ist auch für Profis immer wieder eine Herausforderung, für Metallbau-Laien wie mich, der nicht schweißen sondern höchstens brutzeln kann, eine Arbeit, von der man besser die Finger lässt. Deshalb sind Mannschaftskabiner deutlich günstiger als Fahrgestelle mit kurzen Fahrerhäusern, und so kam ein Preis für uns zustande, der wirklich noch erschwinglich war.

Mit dem Kürzen des Fahrerhauses ist es aber noch nicht getan. Auch die Fahrerhausverriegelung muss versetzt werden und mit ihr der Zylinder für die Kipphydraulik, der einem kürzeren weichen muss, der deutlich weiter vorne montiert wird.

So stehen wir seitdem auf dem Hof von 4wheel24 und basteln fleißig an unserem „Sternchen Reloaded“. Der Name bleibt, die Farbe auch und es wird sich optisch gar nicht so viel ändern, sieht man mal vom exotischen Radstand von 3,33 m ab, der es uns ermöglicht, am Fahrerhaus ca. 30 cm stehen zu lassen und somit nahezu eine Fernfahrerkabine zu „simulieren“. Auch die Dachhöhe ist um ca. 10 cm höher, als in unserer „kurzen Hütte“ und das Fahrerhaus um einige Zentimeter breiter, weil es sich konisch nach hinten erweitert. Das schafft Platz im Fahrerhaus für Jacken, Schuhe, eine Kühlbox und allerlei anderes Gedöns, das man beim Fahren gerne nah bei sich hat.

Als nächsten Schritt gilt es, die Mannschaftskabine abzuschneiden und das Fahrerhaus mit der Rückwand zu schließen. Darüber berichten wir in Kürze auf unserer Homepage. Ab und zu reinschauen lohnt sich also.